Gedanken

Gedanken bei einer Currywurst

Mittagspause, Zeit für eine Currywurst, Zeit etwas abzuschalten.

„Wenn man in den heutigen Tagen in die Welt hinaus blickt kann man schon ins Grübeln kommen.“ Diesen Satz hörte ich heute von 2 Jugendlichen während meiner Mittagspause. Ja, richtig, von 2 Jugendlichen, genau von den Personen, von denen ich in letzter Zeit immer denke „Gott, waren wir auch so, fehlt uns auch so viel Allgemeinwissen, waren wir wirklich auch „so dumm“!“.

Im weiteren Verlauf des Gespräches ging es um vielen Dinge, die mich in der letzten Zeit auch zum Nachdenken brachten. Es wurde über den „Brexit“ geredet (schlimm, dass wir für solche Ereignisse schon eigene Worte kreieren“), darum, ob die Briten wirklich wissen was sie entschieden haben, dass ein Großteil Ihre Entscheidung auf der Meinung einiger weniger treffen. Sich heute fast alle nur noch von den sozialen Medien und Netzen lenken lassen, Dinge nicht mehr hinterfragen, oder sich eine eigene Meinung bilden und hinter dieser stehen. Wie leichtfertig in der heutigen Zeit die Menschen mit dem Gedanken Europas umgehen. Klar, in der Presse liest und sieht man fast täglich nur was die EU noch regulieren möchte, was sie uns verbieten will und wofür wir zahlen sollen. Hier versäumen es Politik und Presse seit Jahren gekonnt die positiven Dinge dieser Gemeinschaft herauszustellen. Man sollte sich doch Gedanken darüber machen, was die EU eigentlich ist, was sie bedeutet und warum sie entstanden ist. Warum wir Frieden und Wohlstand so leicht aufs Spiel setzen. Ob es an der Langeweile der Menschen, oder ihren Problemen liegt, dass sie es in Kauf nehmen das Leben immer weiter in die Spirale aus Angst, Missgunst, Neid, Hass und Ich-Verliebtheit zu treiben?!

Zeit für eine Apfelschorle, die Wurst war doch schärfer als gedacht.

Weiter ging ihr Gespräch aber Facebook, Twitter, Snapchat und all die anderen Sozialen Medien. Darüber, dass die meisten Posts in den letzten Wochen nur noch „Ich denke nur noch an mich selbst“, „Ich mache mich nicht mehr krumm für Andere“, „Nur ich und meine Familie sind wichtig“, „Nur mein Kind zählt“ gehen. Quasi darum, dass jeder nur noch an sich selbst denken sollte. Doch wo bleibt da die Gemeinschaft? Das soziale Zusammenleben? Sollte man sich nicht viel eher Gedanken darüber machen, was wir für andere tun können? Wie wir selbst etwas dazu beitragen können diese Welt wieder etwas schöner und offener zu machen? Und ja, dass wir auch einfach mal zurückstehen sollten, selbst, wenn wir im Recht sind?

Zeit für eine weitere Wurst. Diesmal wird ein Wasser direkt mitbestellt.

Das Gespräch geht über zur EM (genau, zu dem Thema was seit Tagen unberührt an mir vorübergeht). Darüber, dass wir natürlich bis ins Finale kommen, niemand so gut ist wie wir, über die Fans und über in Deutschland fehlenden Nationalstolz. Man würde ja gleich als Nazi bezeichnet, wenn man stolz auf sein Land wäre. Es sollten doch ALLE DEUTSCHEN die Fahnen hissen und mit der Mannschaft fiebern und singen. Wir würden den anderen Ländern schon zeigen wer der Beste im Fußball ist. Ich frage mich gerade, wo die Gedanken und Worte von eben hin sind? Aber beim Fußball hören wohl die oben gewünschten Dinge wie Offenheit, Gemeinschaft, Soziales Zusammenleben und Friede auf (vielleicht kann ich auch deshalb mit dieser Sportart so gar nichts anfangen). Dachte ich, denn sofort kam man auf die irischen und isländischen Fans zu sprechen, darauf, wie man sich mit ihnen freue. Dass es nicht darauf ankäme die EM zu gewinnen, sondern mit anderen Nationen ein paar schöne Tage zu verbringen und zu feiern.

Zeit für eine Portion Pommes (Ich wünsche mir gerade schon etwas die Zeit zurück, als ich das ganze Fastfood noch ohne Probleme vertragen habe zurück. Ich merke jetzt schon, dass es ein Fehler war).

Passend zu den Nachrichten im Radio unterhielt man sich über den Tod von Bud Spencer, und darüber, dass alle Großen derzeit gehen. Richtig, die Helden der Kindheit von einer ganzen Generation sterben gerade. Seien es Musiker, Filmstars oder Politiker. Vielleicht ist auch dies mit ein Grund warum vielen derzeit die Welt und das Leben „so egal“ sind, sie so schlechte Laune haben. Die Verlässlichkeit und Sicherheit verschwinden. Leute die man seit Kindertagen aus dem TV kennt, aus dem Radio und der Presse, die einem das Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit gegeben haben sind plötzlich nicht mehr. Wir müssen uns mit neuen Personen auseinandersetzen. Und mit Neuem tut der Mensch sich seit jeher schwer.

Danach wurde sich noch schnell über den, hoffentlich am Freitag auf einem Geburtstag eintretenden, Vollrausch und die „heißen Fo…“ vom letzten Samstag unterhalten. Mit dem Spruch „Bin Kaufland“ gingen die beiden auseinander (Ganz so verkehrt ist meine Einstellung zur Jugend also doch nicht :-), wobei ich jetzt zugeben muss, dass mir die oben genannten Gedanken in dem Alter nicht durch den Kopf gingen)

Ein Gespräch unter Jugendlichen, der Generation der selbst ich meine Hoffnung und meinen Glauben abgesprochen habe! Wenn es ein paar 15 – 17-jährige schaffen sich solche Gedanken zu machen, Sie solche Ängste haben, sollten wir uns da nicht alle ein wenig an die eigenen Nase packen? Wieder etwas weltoffener werden? Wieder mehr tolerieren, mit Anderen lachen und nicht über sie, uns daran freuen „zu geben“ und nicht nur „zu nehmen“, die „kleine Welt“ um uns herum etwas schöner zu gestalten z.B. durch das Pflegen von Freundschaften und Familie? Sollten nicht einfach wir selbst den Anfang machen?

Zeit für einen Espresso um den Magen zu beruhigen.

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2 Comments

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    Reply Rainer 27. Juni 2016 at 23:15

    Frage mich gerade, ob sie überhaupt begreifen worüber sie geredet haben.

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    Reply Yvonne 28. Juni 2016 at 14:33

    Erstmal Respekt zu zwei Currywürsten, einer Portion Pommes und 2 Getränken. Danach würde bei mir das Fress-Koma einsetzen, und ich an der Arbeit nichts mehr geschafft bekommen.

    Deine Gedanken über die Jugend teile ich glaube ich mit dir, muss aber sagen, dass ich bei so einem Gespräch nicht schlecht gestaunt hätte. Da liegt mehr Wahrheit in den Worten als die beiden sich wohl selbst bewusst sind.

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